Demo-Song selbst aufnehmen oder ins Studio gehen?

Demo-Song selbst aufnehmen oder ins Studio gehen?

Interview zum Thema Demo-Song mit Mark Schwarzmayr (Big Noise in a silent Corner-Studio)

Jede Band braucht sogenannte Demo-Song’s um sich bei Clubs und Veranstaltern zu bewerben. Was macht aber ein gutes und erfolgreiches Demo aus? Reicht ein Proberaummitschnitt oder sollte man ins Studio gehen? Darüber habe ich gesprochen mit Mark Schwarzmayr vom Big Noise in a silent corner-Studio.

bandcoach: Mark, viele Bands stellen auf Ihre Website Videomitschnitte, die sowohl akustisch als auch optisch von schlechter Qualität sind. Kann eine Band damit etwas erreichen? Oder braucht es mehr als nur ein Mitschnitt per Smartphone?

Das kommt darauf an, was man mit den Demo-Song’s erreichen will. Wenn es mir darum geht einfach ein paar Freunden, der Familie oder Bekannten zu zeigen „hey ich mach Musik, hör doch mal“ kann das funktionieren. Will man mit den Demo-Song’s mehr erreichen, nämlich Gigs spielen, Reichweite bei Youtube und co, Verkäufe von CD´s oder in I-Tunes, dann tritt man automatisch in Wettbewerb mit anderen Künstlern und da gibt es eben verschiedene Standards bezüglich der Erwartungen von Konsumenten und Markt.

Man sendet ja auch ein Signal an die Außenwelt: „seht ich nehme meine Musik ernst und verwende Sorgfalt in Qualität, den Look, den Sound…“

Anders ist das bei Content der „behind the scenes…“ darstellen soll. Also für die Fans bei Facebook und co veröffentlicht wird. Hier kann eine gewisse Portion Roughness Natürlichkeit vermitteln.

Selbstverständlich sprechen ich und mein Netzwerk mit den Künstlern genau darüber, wie man Budget und Qualitätsanspruch in Einklang bekommt. Insgesamt ist das Produktionsniveau (sowohl Ton wie Bildqualität) z.B. bei Youtube in den letzten Jahren enorm gestiegen. Interessanterweise verzeihen Konsumenten eine mittelmäßige Bildqualität eher als eine mittelmäßige Tonqualität. Es gibt da sehr interessante Studien über Absprungraten bei Videos, die das untersucht haben.

 

bandcoach: Kann eine Rockband oder Partyband sich selbst im Proberaum so gut aufnehmen, daß das Ergebnis auch zu Auftritten führt?

Theoretisch ja! Ich wage aber mal die Behauptung das die Raumakustik in einem professionellen Studio deutlich besser ist, als in den meisten Proberäumen und auch die Auswahl an Mikrophonen und Preamps ist natürlich eine ganz andere. Mischpulte, Software, Interfaces etc sind allerdings für wenig Geld schon in erstaunlicher Qualität zu bekommen.

Einen Vorteil des Proberaumes will ich nicht verleugnen. Er betrifft vor allem Künstler, die noch ganz am Anfang stehen. Der Proberaum ist ein vertrautes Umfeld. Wer noch nie in einem Tonstudio war, braucht etwas Zeit um sich an die Situation zu gewönnen. Ein erfahrener Studiobetreiber ist immer auch ein Psychologe/Coach des Künstlers. So sehe ich mich zumindest. Ich will, dass meine Kunden ihre optimale Leistung bringen können. Dazu gehört mehr als nur einfach Mikros hinzustellen.

 

bandcoach: Kann es für eine Band eine Lösung sein, die Aufnahmen für den Demo-Song selbst im Homestudio zu machen und die Abmischung dann von einem Profi im Studio machen zu lassen?

Ich würde es eher umgekehrt machen. Wenn man Teile der Produktion in Eigenregie machen will, dann die Abmischung. Was bei der Aufnahme schief geht, kann man in der Mischung oder beim Mastering nicht mehr retten. Von dem, der euch was anderes erzählt, würde ich mich fernhalten.

Quincy Jones, der legendäre Produzent, wurde mal gefragt, wie er immer so geile Chöre in seine Produktionen bekommt, was für Mikros, welche Effekte. Er antwortete „ganz einfach; ich buche den besten Chor“. Da bin ich 100 % bei ihm.

Die Rangfolge ist : geiler Song → guter Musiker → Know how das Toning. → in einem guten Raum aufgenommen → anständige Mikrophone → gute Preamps → hochwertige Abhörboxen → Effekte → Wandler → Software

Es macht überhaupt keinen Sinn, sich darüber zu unterhalten ob man Cubase, Protools oder Logic nimmt, oder ob der interne EQ ja viel zu schlecht ist und man unbedingt externe Plug-ins braucht, wenn der Anfang der Kette versaut ist.

Demo-Song im Studio oder im Proberaum aufnehmen?

bandcoach: Wie sollte sich eine Band vorbereiten, wenn sie beschließt Demo-Songs’s im Studio aufzunehmen? Und welche Vorteile hat eine Band bei den Aufnahmen in einem Studio im Gegensatz zu Proberaumaufnahmen?

Üben (lach). Wenn Bands ihr Material nicht drauf haben, dauert es länger und das kostet Geld.
Übt auch in Kleingruppen. Also spielt den Song mal nur mit Bass und Drums. Alle anderen hören zu. Und checkt, ob wirklich alles passt. Wenn es Backingchöre gibt, macht eine Chorprobe usw. Das sind Sachen, die du aus deiner Coachingtätigkeit kennst, die aber viele Bands vergessen.

Muss man immer ein ganzes Album / ganze Tracks einspielen? Um an Gigs zu kommen gilt hier ein klares Nein. Kein Veranstalter hört sich 30 Minuten Demo-Song’s an, um zu entscheiden, ob er die Band bucht. Dafür haben die gar keine Zeit. Eine Möglichkeit Geld und Zeit zu sparen ist deshalb nur Abschnitte (eine Strophe / einen Refrain) aufzunehmen. Den aber richtig geil.

Zu den technischen Vorteilen hab ich ja schon was gesagt (Raumakustik, Klangqualität der Mikros). Mindestens genauso entscheidend sind die menschlichen und zeitlichen Vorteile.

In einer Studiosituation muss manchmal (konstruktive) Kritik geübt werden. Da ist ein Ton schief gesungen, der Drumbreak hakt oder der Bassist spielt eine falsche Note. Ich z.b. mit meiner musikalischen Ausbildung werde gerne als außenstehender Kritiker von meinen Kunden angenommen. Gemeinsam kann man dann nach einer Lösung suchen. Das funktioniert häufig besser, als wenn Kritik bandintern geäußert wird. Da liegen die Nerven schnell blank.

Naja und meist läuft eine Produktion im Studio zügiger ab. Ich kenne unheimlich viele Bands die monatelang an ihren Proberaumaufnahmen rum basteln. Wenn´s Spass macht ist das ja voll ok, aber die Kollegen aus dem Nachbarraum haben mit ihrem Studiodemo in der Zeit schon 10 Gigs organisiert.

Für Partybands, die ja einen kommerziellen Markt bedienen, sag ich immer: „Wenn ihr nur 1-2 bezahlte Gigs mehr durch das Demo bekommt, dann habt ihr die Studiokosten wieder drin.“ Mit eigener Musik, wo die Gagen meist schlechter sind dauert es vielleicht 3-4 Gigs, aber auch das ist nicht die Welt, oder?

Alternative zum Studiodemo gefällig: Was wir ebenfalls häufig machen sind professionelle Konzertmitschnitte. Also 24 oder 48 Spuren. Parallel werden ein paar Kameras aufgestellt und man filmt/recordet ein ganze Konzert und hat schnell zwischen 120 und 180 Minuten Rohmaterial. In sehr guter technischer Qualität mit Livefeeling. Unsere Kunden kriegen dann entweder die Festplatten mit den Rohdaten und können selber mischen/schneiden oder das bei uns fertig machen lassen. Das kann, wenn man einen „quick and dirty“ Ansatz verfolgt schon in einem Studiotag passieren, was dann sehr günstig ist oder aber man feilt den „Diamant“ auf Hochglanz… Auf jeden Fall hat die Band danach Musik und Bild (Video) das Lichtjahre von einem Smartphonemitschnitt entfernt ist.

 

bandcoach: Mark, vielen Dank für Deine Tipps zum Thema Demo-Song.

Euer Feedback zum Interview Demo-Song benötigt!

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